Teaser Bild

Hintergründe und Risikofaktoren - wer Sie wie für Spielmanipulationen zu gewinnen versucht und was Sie dafür besonders anfällig macht

Inhalt dieses Kapitels

• Sie erfahren, dass hinter Spielmanipulationen häufig internationale kriminelle Organisationen stehen, die vor nichts zurückschrecken.

• Sie kennen die Taktiken, mit denen Mitglieder und Helfer krimineller Organisationen Sie als Fussballer, Trainer, Schiedsrichter, Offizielle, etc. ködern und für Manipulationen zu gewinnen versuchen.

• Sie erkennen Bestechungsversuche als solche und lehnen sie von allem Anfang an entschieden ab.

• Sie sind sich bewusst, dass Spielsucht und die häufig damit verbundenen Schulden Sie besonderes anfällig machen für Bestechungsversuche.

Kriminelle Machenschaften

Spielmanipulationen werden in der Regel von Hintermännern organisiert, die ausserhalb des Fussballs stehen. U.a. sind Spielmanipulationen zur Erzielung von Wettgewinnen ein neues Tätigkeitsgebiet internationaler, mafiöser Verbrechensorganisationen, die auch im Drogenhandel, in der Prostitution und im Menschenhandel, in der Geldwäscherei, etc. aktiv sind. Der erste Kontakt zwischen einem Hintermann und einem Spieler, Trainer, Schiedsrichter oder Offiziellen läuft zumeist ganz harmlos, ja sogar freundschaftlich ab, etwa mit einer Einladung zum Essen, einem Geschenk oder über Social-Media-Plattformen. Sobald dann eine gewisse Vertrauensbasis geschaffen ist, folgt dann ein erster Vorschlag für eine Manipulation. Hat man dazu einmal ja gesagt, ändert der Ton meist schlagartig. Verbrechensorganisationen, die häufig hinter Spielmanipulationen stehen, schrecken auch vor Erpressung nicht zurück. Abhängigkeiten, Geheimnisse, Schulden, Sucht, aussereheliche Affären, etc. können dazu verwendet werden, Sie zur Teilnahme an Manipulationen zu nötigen.

Die Erfahrungen von Friedhelm Althans

Friedhelm Althans ist Leiter der Dienststelle organisierte Kriminalität der Polizei Bochum, welche den bis dato wohl grössten Fall von Spielmanipulationen in Europa aufarbeitete.

Im Video spricht er über seine Erfahrungen und erklärt dabei u.a., wie er ein weltweites kriminelles Netzwerk aufdecken konnte und wie Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle von solchen Netzwerken ausgewählt und angegangen werden.

Merkpunkte aus den Erfahrungen von Friedhelm Althans

• Hinter Spielmanipulationen stehen häufig internationale Verbrechensorganisationen, die vor nichts zurück schrecken.

• Lehnen Sie Geld, Geschenke, Einladungen, etc., die Unbekannte oder „neue“ (falsche) Freunde Ihnen oder Ihrer Familie anbieten, konsequent ab. Solche Gefälligkeiten können dazu dienen, von Ihnen als Gegenleistung einen »Gefallen« zu verlangen.

• Sagen Sie nein zu Angeboten für Drogen, Alkohol oder Sex, welche zu Abhängigkeiten führen können und die Sie erpressbar machen.

• Meiden Sie generell den Kontakt zu Unbekannten und „neuen“ Freunden, die nach trivialen Informationen fragen, wie z.B. der Verletzung eines Spielers.

Das Insider-Delikt

„Hallo, wie geht’s? Du hast wirklich gut gespielt gestern. Aber leider wurdest Du in der Pause ausgewechselt. Wie kam es dazu? Du warst wirklich super! Was ist für das Rückspiel nächste Woche vorgesehen? Wirst Du spielen? Und wie steht es um die Verletzung des Torwarts, geht es ihm besser?

Dieses Szenario zeigt, dass Sie über „Insider-Informationen“ verfügen, die von Dritten zum erfolgreichen Abschluss von Sportwetten verwendet werden können. Sie müssen sich bewusst sein, dass es verboten ist, solche Informationen an Dritte weiterzugeben oder sie selber zum Abschluss von Wetten zu nutzen. Wenn aber eine Information bereits öffentlich bekannt ist, ist es keine „Insider-Information“ mehr. Ihre Einschätzung und Ihre Wachsamkeit sind insofern äusserst wichtig. Suchen Sie im Zweifelsfall Hilfe. Dies ist umso wichtiger, weil kriminelle Hintermänner in einer ersten Phase des Kontakts häufig nach solchen Informationen fragen.

Der Teufelskreis der Spielsucht

Als Profisportler gehören Sie zu einer Risikogruppe für Abhängigkeiten aller Art. Solche Abhängigkeiten können Sie anfällig machen für verschiedene Formen der Ausnutzung. Schnell kann eine Spielsucht bestehen, welche zu Bestechlichkeit führen und so Ihr Leben zerstören kann. Das folgende Zitat stammt von einem bekannten früheren Profi, der in den Teufelskreis der Spielsucht geraten ist.

„Meinen absoluten Tiefpunkt als Spieler hatte ich in der Nacht vor dem Auswärtsspiel. Ich sass auf der Bettkante in einem Hotel in Bolton und dachte daran, meine Finger zu brechen (Anmerkung: um nicht mehr per Telefon Wetten abschliessen zu können). Ich versuchte verzweifelt, nicht den Hörer abzunehmen und noch eine Wette per Telefon abzuschliessen. Zu der Zeit hatte ich bereits sieben Millionen Pfund mit Buchmachern verschleudert und wollte unbedingt aufhören, aber ich schaffte es nicht. Die nächste Wette war immer so verlockend. Den einzigen Ausweg aus diesem Teufelskreis, den ich sah, war meine Finger in einer Tür zu klemmen oder einen nach dem anderen mit dem Hammer zu brechen. Dies war echter Wahnsinn.“

Sieben Anzeichen für Spielsucht

Besessenheit
Eine ständige Besessenheit vom Glücksspiel ist die leichteste Art, eine Spielsucht festzustellen. Das Wiedererleben von früheren Siegen oder Verlusten und ständiges Nachdenken darüber, wie man mehr Geld zum Spielen auftreiben kann, sind zwei Beispiele für Besessenheit.

Eskalierung
Menschen mit einer Spielsucht spielen immer mehr, bis auch das letzte Geld ausgegeben ist. Viele pathologische Spieler enden in schlechten finanziellen Verhältnissen und versuchen, in ihrem Umfeld Geld für ihre Spielsucht aufzutreiben. Dadurch laufen sie Gefahr, ausgenutzt zu werden, etwa durch Leute, die massiv überhöhte Zinsen verlangen.

Suche nach dem Ausweg
Pathologische Spieler versuchen oft ohne Erfolg, ihre Spielleidenschaft unter Kontrolle zu bringen oder zu stoppen. Zahlreiche erfolglose Versuche sind ein Warnzeichen für eine echte Krankheit. Spielsüchtige, genau wie Rauschgiftsüchtige, werden rastlos, reizbar und wütend, wenn sie versuchen, ihre Spielgewohnheiten unter Kontrolle zu bringen oder aufzugeben.

Flucht
Spielen und anderes Suchtverhalten führen zu einem Hoch von Erregung und Begeisterung, wodurch die Person vorübergehend dem normalen Leben entfliehen kann. Dieses Hochgefühl ist immer schwerer zu erreichen und die pathologischen Spieler oder Spielsüchtigen spielen für immer höhere Einsätze.

Chasing
Wenn jemand ständig versucht, Verluste durch erneutes Spielen aufzuholen, so wird das Chasing [engl. nachjagen] genannt. Ein pathologischer Spieler wird sich darauf versteifen, das verlorene Geld zurückzugewinnen, was oft zu schweren finanziellen Problemen führt.

Lügen
Das Belügen von Familie und Freunden über die mit dem Spielen verbrachte Zeit und das verlorene Geld sind ein deutliches Warnsignal für eine Spielsucht. Pathologische Spieler fühlen sich oft schuldig wegen der Lügen darüber, wo sie gewesen sind oder wie sie das Geld ausgegeben haben.

Entfremdung
Wenn jemand auf Grund der Spielleidenschaft anfängt, sich von Freunden, Familie oder Kollegen zu entfremden, dann ist das ein klares Zeichen für schwerwiegende Probleme. Pathologische Spieler spielen weiter, trotz des Risikos, bedeutungsvolle Beziehungen oder andere wichtige Teile ihres Lebens wie Schule oder Karriere zu verlieren.

Wenn Sie zwei oder mehrere dieser Anzeichen bemerken, ist es an der Zeit, einen Spezialisten aufzusuchen. Nützliche Hilfsquellen finden Sie hier:  www.sos-spielsucht.ch

Merkpunkte zum Thema Spielsucht

• Spitzensportler neigen eher zur (Spiel)-Sucht als die Allgemeinbevölkerung, u.a. weil gleichsam viel Geld und Zeit zur Verfügung stehen.

• Wetten und Glückspiele können zu Spielsucht führen.

• Spielsucht und jede sonstige Form von Sucht macht empfänglich für Korruption und für die Teilnahme an Spielmanipulationen.

• Suchen Sie Hilfe, wenn Sie glauben, dass Sie (oder ein Bekannter) Suchtverhalten zeigen.

Zu Kapitel 3